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Grafikkarte backen – Die erfolgreiche Methode

Für einige mag es skurril klingen, andere schwören als Wundermethode darauf: Das Backen der Grafikkarte im heimischen Backofen. Doch funktioniert das wirklich? Kann man die defekte Grafikkarte mit den eigenen kulinarischen Kochkünsten tatsächlich wieder reparieren? Wir haben es getestet!

Vorbereitung

Bevor man die Grafikkarte den Temperaturen des Backofens aussetzt, sollten zuerst einige Grundsatzfragen beantwortet werden:

  • Kann der Fehler am Gerät (PC oder Laptop) eindeutig auf die Grafikkarte zurückgeführt werden und können alle anderen Komponenten wie die CPU, das Mainboard oder Netzteil als Verursacher des Fehlers ausgeschlossen werden?
  • Kann man Treiberprobleme bei der Grafikkarte ausschließen?
  • Ist der Garantie- bzw. Gewährleistungszeitraum der Grafikkarte bereits verstrichen?

Wenn Sie alle Fragen mit Ja beantworten können, dann spricht nichts gegen die letzte Rettungsmethode: Grafikkarte in den Backofen.

Hinweis: Das Backen der Grafikkarte geschieht auf eigene Gefahr und wir übernehmen keine Verantwortung für entstandene Schäden. Bitte nutzen Sie ausschließlich defekte Grafikkarten für diesen Reperaturversuch.

Warum funktioniert das Backen einer Grafikkarte?

Bei der Fertigung von Grafikkarten werden viele Bauteile mittels Kontakte aus Lötzinn verschmolzen. Diese Kontakte können sich im Laufe der Zeit durch Temperatur- oder Fremdeinwirkungen lösen, wodurch nur noch wenig oder überhaupt kein Strom mehr fließen kann. Die Konsequenz: Die Grafikkarte produziert dauerhaft Bildfehler. Durch die Hitzeeinwirkung im Backofen werden diese Kontakte wieder weich und verformen sich. Dadurch fließt in einigen Fällen wieder Strom und die Bildfehler sind wie durch Geisterhand verschwunden.

Grafikkarte backen – Eine Anleitung

Bei der Reperatur Ihrer defekten Grafikkarte durch das Backen der Grafikkarte im Backofen gehen Sie bitte nach folgender Anleitung vor:

  1. Demontieren Sie den Kühler Ihrer Grafikkarte und alle anderen Plastikteile. Entfernen Sie ebenfalls die Wärmeleitpaste, welche sich noch auf dem Grafikchip (GPU) befindet.
  2. Heizen Sie den Backofen im ersten Durchgang auf 100 °C (Ober- und Unterhitze) vor. Vermeiden Sie – falls möglich – Umluft, da dadurch ggf. kleinste Bauteile beschädigt werden können.
  3. Legen Sie die Grafikkarte mittig auf ein Backpapier, welches Sie im Optimalfall auf einem Grillgitter platzieren.
  4. Hat der Backofen die gewünschte Temperatur erreicht, schieben Sie das Grillgitter inklusive Grafikkarte für 30 Minuten in die mittlere Schiene Ihres Backofens.
  5. Nach Ende des Backvorgangs lassen Sie die Grafikkarte noch etwas auskühlen. Es ist Ihnen dabei selbst überlassen, ob Sie die Grafikkarte anschließend “warm” oder “kalt” wieder einbauen.

Während Sie die Grafikkarte im Ofen haben, kann es unter Umständen vorkommen, dass sich in der Küche ein merkwürdiger Geruch verbreitet. Das ist ganz normal und sollte für Sie kein Grund zur Beunruhigung sein. Wenn Sie mit dem Backen der Grafikkarte fertig sind, empfiehlt sich allerdings eine ausgiebige Reinigung des Backofens. Sicher ist sicher.

Sollte die Grafikkarte nach dem ersten Backvorgang nicht wieder funktionieren, dann können Sie wahlweise noch weitere Backvorgänge der folgenden Reihenfolge nach starten:

  • 30 Minuten bei 160 °C
  • 30 Minuten bei 190 °C
  • 30 Minuten bei 220 °C

Das Testobjekt und die Geschichte

Nachdem Sie nun unsere Anleitung auf Basis unserer Erfahrung lesen konnte, gibt es zum Abschluss noch eine kleine Geschichte, wie es zu diesem Artikel kam.

Mitte Februar diesen Jahres erhielten wir ein defektes Fujitsu Amilo A1667G Laptop. Nach fast 10 Jahren Betriebszeit hatte das Laptop seinen Zenit überschritten und wollte sich eigentlich gerade in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Die Symptome: Bildfehler, wie in folgendem YouTube Video sehr gut zu sehen:

Unser Glück: Im Gegensatz zu vielen modernen Laptops hatte dieses Modell noch eine einsteckbare Grafikkarte, eine ATI X700, weshalb unserem Versuch die Grafikkarte zu backen nichts mehr im Wege stand.

Zum Unmut unserer Begeisterung: Sowohl der erste Versuch bei 100 °C als auch der zweite Versuch bei 160 °C scheiterten. Im Anschluss an den Backvorgang war der Fehler immer noch vorhanden, wenn auch bereits etwas weniger schlimm. Erst der dritte Backversuch bei 190 °C in 30 Minuten brachte das erhoffte Ergebnis und das Laptop ist nun wieder für die nächsten 10 Jahre Betriebszeit gerüstet.

Fazit

Die heimische Küche ist der Ort der Wahl, wenn es um die Reperatur von defekten Grafikkarten geht. Wie der Selbstversuch zeigt, ist das Grafikkarten backen keinesfalls nur ein Mythos sondern eine eindrucksvolle und wirksame Methode aus der Trickkiste der Computerbastler, die in vielen Fällen den erhofften Erfolg – eine funktionierende Grafikkarte – bringt.

(Artikelbild: © Sergio Sánchez López – iconfinder.com)

Veröffentlicht von Josef Seidl

Josef Seidl hat an der TU München und der Stanford University Wirtschaftsinformatik studiert, bevor er mit INNOSPOT sein eigenes Unternehmen gründete. Er ist begeistert von Technik, schätzt performante Webseiten und ist gerne in den Bergen unterwegs. Zu finden ist er auch bei LinkedIn und privat bei Twitter.