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Content Delivery Network (CDN) für WordPress – Eine Übersicht

WordPress erfreut sich kontinuierlich wachsender Beliebtheit, dass wurde in den letzten Jahren immer mehr deutlich. Das Resultat: Auch immer mehr größere Webseiten, die teilweise mehrere hunderttausend Besucher im Monat bedienen, setzen auf das beliebte Content Management System. Vor allem für diese Webseiten bringt ein Content Delivery Network (CDN) großen Nutzen, jedoch können auch kleinere WordPress Seiten von den Vorteilen dieser Technik profitieren.

Dieser Artikel ist Teil der Guideline High-Performance Websites mit WordPress.

In den letzten Teilen dieser Guideline haben wir uns zwei wichtigen Punkten gewidmet: Zum einen konnten wir sehen, welch großen Einfluss der Wechsel des Providers, beispielsweise von einem Shared-Hosting-Tarif auf einen V-Server, auf die Performance einer Webseite hat. Zum anderen konnten wir erkennen, dass die Anzahl der durchgeführten HTTP Requests bei einem Seitenaufruf einen signifikanten Einfluss auf die Ladezeit der jeweiligen Seite hat.

Nachdem die Ladezeit von Blog IT-Solutions durch die Anwendung der genannten Maßnahmen bereits um über 65 Prozent reduziert werden konnte, nämlich von ursprünglich 4.590s Sekunden auf 1.642 Sekunden (Fully Loaded, Empty Cache), werden wir in diesem Teil der Artikelserie die Performance-Vorteile eines Content Delivery Networks (CDN) insbesondere für WordPress darstellen.

Basiswissen

Ein Content Delivery Network, im Folgenden immer mit CDN abgekürzt, ist eine Netz von Webservern mit unterschiedlichen Standorten (teilweise weltweit), die Inhalte, insbesondere Mediendateien, an den Endanwender möglichst schnell ausliefern. In der Praxis bedeutet das folgendes:

Beispiel: Nehmen wir an, auf Ihre in Deutschland gehostete Webseite kommt ein Besucher aus Kalifornien und Sie setzen kein CDN ein. Nun müssen alle Inhalte (HTML, CSS, Bilder, Videos etc.) vom Server in Deutschland nach Kalifornien übertragen werden, was auch in der heutigen Zeit noch etwas dauern kann. Würden Sie hingegen ein CDN einsetzen, auf welches Sie Ihre Mediendaten ausgelagert haben, dann könnten diese Daten direkt von einem Server in den USA an den Besucher ausgeliefert werden.

Im Beispiel wird der Hauptnutzen eines CDN klar deutlich, nämlich die Gewährleistung einer hohen Performance für Besucher aus allen Teilen unseres Planeten. Der Grund: Die Response Time eines Servers in den USA zum Besucher in den USA ist wesentlich geringer als die Response Time eines Servers der in Deutschland steht. Je nach CDN-Anbieter werden Ihre Daten auf mehrere Datenzentren weltweit verteilt und synchronisiert, damit die Besucher, abhängig vom Standort, die Daten möglichst schnell ausgeliefert bekommen. Denn je kürzer die Entfernung eines Besuchers zum Webserver, desto geringer die Response Time und desto höher die Performance bei der Auslieferung der Inhalte. Neben der geringeren Response Time hat ein CDN noch weitere Vorteile, aber auch Nachteile.

Vorteile eines CDN

  • Geringere Response Time durch geringere Entfernung der Besucher zum Webserver
  • Traffic-Einsparung auf dem Hauptserver, da der meiste Traffic über das CDN abgewickelt wird
  • Massive Entlastung des eigenen Servers
  • Caching direkt auf den CDN-Servern
  • Load-Sharing (dazu weiter unten mehr)

Nachteile eines CDN

  • Zusätzliche Kosten abhängig vom monatlichen Traffic
  • Die Response Time der Inhalte ist abhängig vom Traffic auf dem CDN, der durch andere Webseiten verursacht wird.

Content Delivery Network für kleinere WordPress Websites

Schnell stellt sich die Frage, ob sich ein CDN überhaupt bei kleineren WordPress Websites lohnt? Leider kann die Frage nicht so einfach und pauschal beantwortet werden, da dies von mehreren Faktoren abhängig ist:

  • Kommen Ihre Besucher aus verschiedensten Ländern weltweit?
  • Verwenden Sie viele Bilder und Videos auf Ihrer Website?
  • Haben Sie oftmals mit Besucherspitzen bei der Veröffentlichung eines Artikels zu kämpfen?
  • Möchten Sie Ihren Hauptserver für WordPress entlasten um nicht auf die nächst höhere Ausbaustufe bei Ihrem Provider wechseln zu müssen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantworten können, dann kann ein CDN unter Umständen für Sie interessant sein. Es kann allerdings auch noch aus einem ganz anderen Thema relevant sein: Load-Sharing

Load-Sharing

Jede Browser-Version ist auf eine bestimmte Anzahl von parallelen HTTP-Requests pro Domain beschränkt. Das bedeutet, dass beispielsweise Firefox in der Version 25 nur maximal 6 HTTP-Requests gleichzeitig an eine Domain bearbeiten kann. Bei älteren Browsern, beispielsweise beim Internet Explorer 7, liegt diese Zahl sogar nur bei 2. Eine sehr schöne Übersicht über alle Browser und Ihre Limitierungen erhalten Sie auf Browserscope.

Um diese Limitierung nun geschickt zu umgehen, können Sie Ihre Inhalte einfach auf eine Sub-Domain auslagern, wie dies üblicherweise beim Einsatz eines CDN der Fall ist. Dadurch öffnet der Browser eine weitere Connection zur jeweiligen Domain wo erneut die maximale Anzahl von parallelen HTTP-Requests pro Domain bearbeitet werden kann.

Beispiel: Zum vollständigen Laden Ihrer Webseite benötigt der Browser 30 HTTP GET Requests. Alle Ihre Ressourcen liegen auf einer Domain, beispielsweise www.blog-it-solutions.de. Nun kann der Browser (Firefox 25) nur maximal 6 HTTP GET Requests gleichzeitig ausführen, weshalb zu Beginn die restlichen 24 HTTP GET Requests in eine Warteschlange geschoben werden, bis die erste HTTP Anfrage erfolgreich abgeschlossen wurde. Verteilen Sie nun Ihre Bilder auf eine zweite Domain, zum Beispiel cdn.blog-it-solutions.de, so kann der Browser sowohl 6 HTTP GET Requests an www.blog-it-solutions.de schicken als auch 6 HTTP GET Requests and cdn.blog-it-solutions.de, insgesamt also 12 Anfragen gleichzeitig.

Um sich den Vorteil dieser Technik zu Nutze zu machen, brauchen Sie allerdings nicht mal ein CDN. Es genügt, wenn Sie beispielsweise Ihre WordPress Bildergalerie auf eine Subdomain auslagern. Wie das funktioniert, wird im Blog auf kulturbanause näher erläutert.

Hinweis für die verlinkte Anleitung: Seit WordPress 3.5 kann unter Einstellungen / Medien im Standard kein Upload-Verzeichnis mehr festgelegt werden. Damit diese Einstellung wieder sichtbar wird, müssen Sie den Wert upload_url_path in der Tabelle wp_options direkt in der Datenbank anpassen. Es genügt hierbei, wenn Sie irgendeinen beliebigen Wert eintragen. Sobald dieser Wert nämlich nicht mehr dem Standardwert entspricht, wird das Eingabefeld im WordPress Back-End wieder sichtbar.

Zwei Möglichkeiten ein CDN zu nutzen

Beim Einsatz eines CDN ist es wichtig zu wissen, dass es prinzipiell zwei verschiedene Möglichkeiten gibt, dieses zu nutzen.

  1. Customer Origin: Hierbei bleiben sämtliche Daten auf Ihrem eigenen Webserver und der CDN-Anbieter synchronisiert diese automatisch mit allen seinen Servern weltweit. Der große Vorteil: Sie brauchen keinerlei Daten irgendwo hin kopieren und müssen in WordPress – bis auf eine Ausnahme – keinerlei Änderungen vornehmen. Die Ausnahme: Damit das CDN letztlich auch funktioniert, müssen Sie die CDN Funktionalität beispielsweise in WP Super Cache oder W3 Total Cache aktivieren und die zugehörige URL hinterlegen, welche Sie vom CDN Anbieter erhalten haben (dazu im nächsten Artikel mehr).
  2. CDN Storage: Alle Ihre Daten, welche mittels CDN ausgeliefert werden sollen, liegen auf einem Storage des CDN Anbieters. Den zusätzlichen Speicher müssen Sie in der Regel bezahlen und Sie müssen sich auch darum kümmern, dass die auszuliefernden Daten auch immer auf das CDN Storage kopiert werden. Hierzu stehen Ihnen unter WordPress auch wieder verschiedene Plugins zur Verfügung.

CDN Anbieter für WordPress

Haben Sie sich entschieden, dass für Sie ein CDN interessant sein könnte, so stehen auf dem Markt verschiedenste Anbieter zur Verfügung. Ich habe im Folgenden zwei der bekanntesten Anbieter selektiert und noch zusätzlich einen deutschen Anbieter in die Liste mit aufgenommen.

Übersicht der gängigsten Content Delivery Network Anbieter für WordPress

  1. MaxCDN ist ein sehr etablierter und bekannter Anbieter im CDN Bereich mit einem Standort in Deutschland (Frankfurt). Der Anbieter hat allerdings zum Leid von Kleinkunden in den letzten Monaten das Preismodell angepasst. Der günstigste Tarif „starter“ beginnt derzeit bei $90 jährlich, was $7.50 im Monat entspricht. Details und einen 25% Rabatt-Gutschein finden Sie im Artikel 5 Minuten WordPress CDN Installation mit MaxCDN. Der englischsprachige Support steht Ihnen bei MaxCDN 24 Stunden 7 Tage die Woche zur Verfügung und ist auch über einen LiveChat erreichbar, was die Kommunikation aus Deutschland sehr vereinfacht.
  2. Amazon CloudFront ermöglicht mittlerweile nicht nur die Bereitstellung von statischen Inhalten wie beispielsweise Bildern oder JavaScript-Dateien, sondern auch die Auslieferung von dynamischen Inhalten. Die Preise werden hier nach Region und pro Gigabyte abgerechnet. So kostet beispielsweise ein Gigabyte aus der Region Europa $0,085 was in etwa 0,08 Euro exklusive Steuern entspricht. Wird Ihre Webseite von einem Besucher aus Brasilien aufgerufen, werden die CDN-Daten direkt von einem Datencenter in Südamerika bereitgestellt, was pro GB dann $0,250 bzw. 0,230 Euro exklusive Steuern kostet. Zusätzlich fallen auch noch geringe Kosten für HTTP-Anforderungen an. Das genaue Preismodell finden Sie hier. In Deutschland betreibt Amazon ein Datencenter in Frankfurt. Wie bei Amazon AWS üblich, steht ein Support nur in geringem Umfang bzw. überhaupt nicht zur Verfügung.
  3. WaveCDN ist ein deutscher Anbieter eines CDN mit zwei Standorten in Deutschland (Frankfurt und Nürnberg). Pro Region gibt es eine monatliche Freigrenze von 20 GB und das CDN kann kostenlos 7 Tage lang ohne Trafficbegrenzung getestet werden. Überschreiten Sie nach dem kostenlosen Probezeitraum allerdings die monatliche Freigrenze von 20 GB so wird in 200 GB Einheiten abgerechnet, was Sie in der Region Europa pro Monat 23,80 Euro (0.119 € pro GB * 200) exklusive Steuern kostet. Möchten Sie mehrere Webseiten mit dem CDN bedienen, so werden pro weiterem Setup monatlich 9,90 Euro (ohne Steuern) fällig. Sowohl die Webseite als auch der Support ist in deutscher Sprache verfügbar (Montag – Freitag: 9.00 – 17.00 Uhr).

Die Entscheidung für einen CDN Anbieter

Neben den genannten Diensten gibt es natürlich noch ein Menge anderer Anbieter vor allem im amerikanischen Bereich. Die Entscheidung für einen Anbieter fällt deshalb entsprechend schwer. In unserem Fall haben wir für die Auswahl des richtigen Content Delivery Network Anbieters vier Hauptkriterien festgelegt:

  • Performance
  • Mindestens ein Standort in Deutschland
  • Preis (mit Berücksichtigung von steigendem Traffic)
  • Support

Leider mussten wir feststellen, dass aufgrund des ersten Kriteriums eine Einschränkung der potentiellen Anbieter kaum möglich war, da wir nirgendwo aussagekräftige und aktuelle Statistiken gefunden haben. Die beste Quelle war noch Cedexis, die sogar eine Auswertung der CDNs für Deutschland liefern. Demnach ist die Performance von Amazon CloudFront im Durchschnitt geringfügig besser (3ms) als die von MaxCDN. WaveCDN ist nicht gelistet.

Das zweite Kriterium haben alle hier gelisteten Anbieter erfüllt, wobei WaveCDN sogar zwei Standorte in Deutschland besitzt. Der Unterschied zu den anderen Anbietern mit nur einem Standort dürfte aber aus Performance Sicht kaum messbar sein.

Beim Preis und dem Support trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. Für ersteres müssen Sie in Ihren Webstatistiken gegebenenfalls erst einmal überprüfen, wie viel Traffic Ihre Seite monatlich verursacht, um die verschiedenen Anbieter vergleichen zu können. Beim zweiten Punkt ist allerdings klar, dass MaxCDN den besten Support liefert. Mit WaveCDN hatten wir leider keinen Kontakt, allerdings steht hier zumindest eine Telefonhotline zur Verfügung.

Die Entscheidung war letztlich nicht leicht. Für die Zukunft von Blog IT-Solutions haben wir uns für das Angebot von MaxCDN entschieden, welches zwar preislich bei unserem Traffic zurzeit noch etwas teurer ist als Amazon CloudFront, die Vorteile sind uns aber die kleinen Zusatzkosten durchaus wert:

  • Konstante Kosten pro Monat ($7.50 im Starter-Paket bei jährlicher Zahlung)
  • Enge Zusammenarbeit mit den Entwicklern von WP Super Cache und W3 Total Cache
  • Unkomplizierter und schneller Support rund um die Uhr
  • Schnelle und einfache Konfiguration
  • Auf Blogs und in Foren wird der Anbieter durchgehend gelobt

Ausschlaggebend war letztlich der zweite und dritte Punkt. Durch die enge Zusammenarbeit von MaxCDN mit den jeweiligen WordPress Caching Plugins ist hier auch in Zukunft ein problemloser Betrieb garantiert. Zusätzlich hatte ich in der Zwischenzeit bereits fünf Mal Kontakt mit dem Support von MaxCDN, auch bezüglich dieses Artikels, und bin von der Freundlichkeit und Professionalität der Mitarbeiter sehr begeistert.

Da aber auch das Angebot von WaveCDN, vor allem aufgrund der 20 GB Freigrenze, für viele WordPress Webseitenbetreiber sehr interessant sein kann, werden wir in den kommenden Wochen auch diesen Anbieter einmal testen und Ihnen im Blog berichten.

Fazit

Die schleierhafte Welt der Content Delivery Networks ist letztlich gar nicht so schleierhaft, wie es auf den ersten Blick scheint. Sobald man die Grundlagen der Technik verstanden hat, lüftet sich der Schleier. Falls Sie bereits die Entscheidung getroffen haben, dass ein CDN für Sie im Moment noch nicht das Richtige ist, so empfehle ich Ihnen zumindest die Auslagerung Ihrer Bildergalerie auf eine Sub-Domain.

Im nächsten Artikel erfahren Sie, wie Sie innerhalb von nur 5 Minuten die Geschwindigkeit Ihrer WordPress Seite steigern indem Sie CSS-Dateien, JavaScript und Bilder auf das Content Delivery Network von MaxCDN auslagern.

Veröffentlicht von Josef Seidl

Josef Seidl ist Unternehmer und hat an der TU München und der Stanford University Wirtschaftsinformatik studiert. Er ist begeistert von Technik, schätzt performante Webseiten und ist gerne in den Bergen unterwegs. Zu finden ist er auch bei LinkedIn.

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